1a-wirbellose
Letzte Aktualisierung: Di, 11. Okt.2011 10:12

Das neue Garnelenaquarium richtig "einfahren"

Die Problematik mit dem Garnelenaquarium

Es kommt bei neu eingerichteten Garnelenaquarien immer wieder zu Totalausfällen und zwar einige Tage nach dem Einsetzen der Garnelen. Leider sind immer noch viele Pfleger von Fischen oder Garnelen der Meinung, dass ein "Einfahren" von neuen Aquarien mit Wasser, Bodengrund, Pflanzen, Filter und Licht ausreichend ist. Das ist beim Garnelenaquarium so aber falsch!

So fahren wir ein Garnelenaquarium ein

Wichtig ist, dass sofort nach dem Einrichten zwei kleine Antennenwelse oder ähnliche Fische (einige Garnelenfreaks nehmen 2- 3 Garnelen und andere Schnecken) eingesetzt und gut gefüttert werden. Dadurch werden die Bakterien im Aquarium angeregt, sich zu vermehren, um die beim Einfahren entstehenden Schadstoffe aufzufressen. Verwenden wir Starterbakterien, so haben wir eine ähnliche Situation! Sie müssen auch gefüttert werden, um sich zu vermehren und in großer Zahl die Schadstoffe niedrig zu halten. Am besten setzen wir hier also auch Pilotfische ein und füttern gut, aber niemals zu viel. Erst wenn wir kein Nitrit mehr nachweisen können, sind genug Bakterien im Aquarium, und die Garnelen bleiben am Leben. Die Gefahr für die Garnelen geht einmal von dem Ammoniak aus, das bei einem pH Wert über 7 aus dem Ammonium entsteht, aber kann auch vom Nitrit, das aus dem Ammonium entsteht, wobei das Nitrit für Fische gefährlicher ist als für wirbellose Tiere. Nach dreiwöchiger Phase des "richtigen" Einfahrens ist die Gefahr in der Regel vorbei. Es sind dann so viele Bakterien im Aquarium, welche die Schadstoffe fressen, dass kein Ammonium und Nitrit mehr in gefährlich hohen Konzentrationen entsteht. Für die Zeit des Einfahrens aber auch später, wenn die Garnelen im Aquarium sind ist für eine ausreichende Sauerstoffversorgung zu sorgen. Ein wöchentlicher Wasserwechsel von mindestens 30 Prozent sollte von Anfang an gemacht werden.

Alternatives einfahren des Garnelenaquariums

Eine andere Methode des richtigen Einfahrens eines Garnelenaquariums ist das Anmulmen. Es geht nur wenn man ein zweites gut funktionierendes Aquarium hat und ihm eine gewisse Menge an Mulm abziehen kann. Dem neu eingerichteten Aquarium wird Mulm zugeführt, in dem so viele Bakterien sind, dass die anfallenden Schadstoffe sofort von den Bakterien vernichtet werden. Man sollte in einem solchen Aquarium am Anfang nicht zu viele Garnelen einsetzen, damit die Bakterien auch die anfallenden Schadstoffe bewältigen können.

Ein frühzeitiges einsetzen der Garnelen kann alle Bemühungen zunichte machen, deshalb bitte ich Sie, die Zeit abzuwarten, um den Garnelen nicht zu schaden. Es sind schon viel zu viele Garnelen aus Unwissenheit oder Ungeduld gestorben.

Problematik beim eingefahrenen Garnelenaquarium

Ausfälle in größerer Anzahl hat es auch schon mit alt eingefahrenen Aquarien gegeben, weil nur noch einzelne Garnelen über längere Zeit im Aquarium gepflegt wurden. Die Bakterien minimieren sich, wenn sie nicht gebraucht werden und das war der Fall als nur noch einige Garnelen im Aquarium waren. Dann kamen eine größere Anzahl neuer Garnelen in das Aquarium und wurden natürlich gefüttert. Die hierbei anfallenden Schadstoffe konnten die wenigen Bakterien nicht bewältigen. Mit dem Erfolg, dass sich wieder Nitrit und Ammoniak gebildet haben. Es kam zu vermehrten Häutungen und die Tiere starben.

Gastbeitrag zum Thema von Kurt Mack

Kurt Mack ist langjähriger Aquarienfisch- und Garnelenzüchter und hat mir folgendes zu meiner Anfrage des Neueinfahrens geschrieben:

Ich habe ganz andere Erfahrungen gemacht. Gerade in mit Belastung eingefahrenen Aquarien kommt es wegen der Vielzahl an unbekannten Keimen schnell zu Verlusten unter dem Neubesatz. 10 - 100 Tausend Keime pro Milliliter Aquarienwasser sind normale Werte.

Ich setze meine neuen Garnelen in ein frisches Aquarium, das gerade zwei bis drei Tage eingerichtet ist. Dazu versuche ich die Garnelen mit möglichst viel Wasser, an das sie gewöhnt sind, zubekommen. Bei Ankunft der Garnelen sauge ich alles Wasser aus dem Aquarium ab und gebe die Garnelen mit dem, wenn klar und keine Transportverluste aufgetreten sind, Transportwasser in das Aquarium. Jetzt fülle tropfenweise mit abgestandenem Wasser auf.

Falls das Transportwasser nicht zu verwenden ist, gewöhne ich die Garnelen in einem Eimer tropfenweise an die neuen Wasserwerte. Nach einigen Stunden, wenn sich die Wassermenge verzehnfacht hat, setze ich die Garnelen in das Aquarium, bei dem ich das Wasser auch gegen frisches getauscht habe.

Mit Bakterienstarter arbeite ich nicht, einzig ein paar bakterienbehaftete Ranken Javafarns oder etwas sauberes Moos mit einer kleinen Wurzel gebe ich in das neue Aquarium.

Zur Sicherheit wechsele ich alle drei Tage 50% der Wassers über einen Zeitraum von zwei Wochen. Als Futter reiche ich hauptsächlich getrocknete Brennnessel, die ich erst beim restlosen Verzehr ersetze. Bei größeren Mengen an Garnelen, so mehr als 20, oder wenn die Brennnessel intensiv genagt wird, gebe ich auch mal eine Futterflocke.

Auch bei meinen Fische praktiziere ich eine Quarantäne in frischen Becken, wo nach einer Eingewöhnungszeit die neuen und die alten Fische mittels täglichem literweise Wasseraustauschs aus dem jeweils fremden Becken. Dies führe ich über einen Zeitraum von 10 bis 14 Tage durch, bevor ich die Fische umsetze. Ich bin der Überzeugung, dass das Immunsystem der Fische durch die geringe Gabe an fremden Bakterien in der Lage ist, Antikörper zu bilden, die dann nach dem endgültigen Umsetzen verhindern, dass der Fisch an den fremden Keimen erkrankt.

Ich weiß auch, dass eine richtige Quarantäne auch von langjährigen Aquarianern und Züchter selten durchgeführt wird, aber ich habe bei Neuzugängen nur geringsten Verlust. Gerade das langsame Sterben über einige Tage kenne ich nicht.

Kurt Mack

Liebe Wirbellosenfreunde, es gibt keine Patentrezepte in der Aquaristik. Deshalb habe ich hier einige verschiedene Möglichkeiten des Neueinrichtens bzw. des Neubesetzen von Aquarien aufgezeigt. Ich hoffe, dass Sie sich eine sympathische Möglichkeit auswählen.


Aktualisierung vom 09.06.2009

Mit der Entwicklung in der Pflege der Garnelen haben wir aus Japan ein tolles Produkt zur Verfügung, welches auch auf das einfahrenvon Garnelenaquarien einfluss hat. Es handelt sich um einen Bodengrund mit ganz besonderen Eigenschaften, die ein einsetzen der Garnelen nach zwölf Stunden ermöglichen. Shirakura Red Bee Sand bindet innerhalb von Stunden sämtliche Schadstoffe im Aquariumwasser und ermöglicht so ein schnelles Einsetzen der Garnelen. Shirakura Red Bee Sand findet Ihr bei den Gebrüdern Logemann.

Aktualisierung vom 19.09.2009

Ich habe einen ausführlichen Artikel zum Thema Bienengarnelen mit Shirakura Bodengrund züchten geschrieben. Darin könnt Ihr viele weitere Informationen nachlesen, die den Shirakura Bodengrund und seinen Einsatz betreffen. Einen allgemeinen Beitrag zum Thema Shirakura gibt es Shirakura Bodengrund.

Weitere Artikel zum Thema:


<<< Zurück zu den Infos